tempSein italienischer Charme, seine männliche, raue Gesangsstimme und seine Präsenz auf der Bühne, machen Giovanni Costello zu einem Sänger mit Ausstrahlung und Charisma. Als Kandidat von ‚The Voice of Germany’ begeisterte er ein großes TV Publikum. Doch auch auf seinen unzähligen Konzerten im In- und Ausland wird Costello aufgrund seiner Leidenschaft für die Musik geliebt.
Interview mit Giovanni Costello
Von Marion Graeber
8. Dezember 2013

Im Jahre 2011 haben Sie bei ‚The Voice of Germany‘ teilgenommen. Welche Erfahrung konnten Sie gewinnen?

Die Zeit bei ‚The Voice‘, war eine schöne Zeit. Ich hab sehr gerne bei diesem TV Format teilgenommen. Ich habe so viele interessante Leute kennen gelernt und auch viele Kontakte geknüpft. Das war wichtig für mich. Ich konnte zeigen, was ich kann. Es war einfach gut für mich, dort gewesen zu sein.
Wie war’s mit Xavier Naidoo?
Mit Xavier, das war eine interessante Zeit. Er ist ein toller Musiker und Sänger. Ich kann Xavier nur dankbar sein.
Pflegen Sie Freundschaften aus dieser Zeit?
Ja, es sind viele schöne Kontakte entstanden. Nach der Staffel waren wir gemeinsam mit dem Projekt „Sing um dein Leben“ unterwegs. Das war eine tolle Sache.
In welcher Musik fühlen Sie sich zuhause?
Mein Herz hängt an der Musik von Ray Charles und Paolo Conte. Meinen Musikstil würde ich als eine Mischung aus Jazz, Soul, Pop und Swing bezeichnen. Ich bin Pianist, Sänger und Komponist und habe so die Möglichkeit diese Stile zu mischen.
Als die SWR Big Band und ich zusammen gefunden haben, wusste ich, das passt zu mir. Musikalisch und menschlich ist das einfach perfekt.
Es sind viele Konzerte mit der SWR Big Band in Planung. Im Januar wird es eine Konzertreihe mit der SWR Big Band, Götz Alsmann und mir geben. Die CD, die ich mit der Big Band aufgenommen habe, wird aktuell fertig gestellt und demnächst veröffentlicht.

In welcher Sprache singen Sie?
Ich bin Italiener und liebe es in meiner Sprache zu singen, die neue CD ist komplett auf italienisch. So wie auch das Konzert-Programm. Hier haben wir zu meinen Songs noch bekannte italiensche Lieder genommen und diese für die Big Band neu arrangiert. So ist nicht nur der klassische Big Band Sound zu hören, sondern auch Klassik, Pop und Rock. Aber natürlich auch Swing.


Sie sind in Perugia (Umbrien/Italien) geboren. Wie sind Sie aufgewachsen?
Wie begann Ihrmusikalischer Weg?
Mit meinem Cousin hab ich als Kind eine kleine Musikschule besucht. Sie war im Nachbarort. Ich war damals sieben Jahre alt. Bei Professor Polverini habe ich meinen ersten Klavierunterricht bekommen. Er war es auch, der mein Talent erkannt hat und meine Eltern davon überzeugt hat mich auf das Musikkonservatorium in Perugia zu schicken. Nach Abschluss des Konservatoriums bin ich nach Mailand und habe dort Kompositionslehre studiert.
War das Klavier Ihr erstes Musikinstrument? Spielen Sie weitere?
Ich habe mit Klavierunterricht begonnen, aber sie können sich ja vorstellen, dass ich mich auch einmal austoben wollte. Meine Eltern haben mir zu meinem neunten Geburtstag ein Schlagzeug geschenkt. Ich habe es noch heute.
War Ihnen schon damals, als Kind, in der Musikschule klar, dass Ihr Weg im Leben ein musikalischer sein würde?
Musik ist mein Leben. Ich habe immer mit der Musik gelebt. Ich bin so froh, dass ich diesen Weg gegangen bin und gehe. Ich war als Pianist und Sänger in der ganzen Welt unterwegs. In Japan, den USA und natürlich auch in den europäischen Ländern. Das war sehr schön und ich habe viele interessante Menschen und Kulturen kennengelernt. Die Verbindung zum Publikum ist mir wichtig. Mit dem Kontakt zum Publikum bekomme ein direktes Feedback und es entsteht diese besondere Magie, die nur Musik entstehen lassen kann. Für mich ist wichtig, dass ich meine Zuhörer berühre und meine Musik Bestand hat.
Wer unterstützte Sie auf Ihrem musikalischen Weg?
Ich bin der Jüngste von drei Geschwistern. Mein Vater und meine Mutter hatten anfangs schon besonders auf mich geschaut, als ich mit 19 Jahren als Pianist mit einer Band durch Italien tourte. Wir hatten viel Spass und es gibt viele schöne Erinnerungen und Geschichten aus der Zeit.
Ihre Stimme ist warm und markant – wann haben Sie Ihre Stimme als Instrument entdeckt?
Das kam ganz langsam hinzu. Ich spielte erst als Pianist in Pianobars. Später begann ich, den ein oder anderen Song zu singen. Ich habe noch Tapes, da war ich 17 oder 18 Jahre alt, als ich die ersten Songs selber gesungen habe. Meine Stimme und mein Stil haben sich aber mit der Zeit sehr entwickelt...
Wie entsteht ein Lied? Haben Sie zuerst einen Text im Kopf oder beginnt alles am Klavier mit der Musik?
Das ist unterschiedlich, doch meistens kommt zuerst die Melodie. Erst wird die Melodie  komponiert und dann für unterschiedliche Instrumente arrangiert, erst dann kommt der Text. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und man beginnt mit einem Text, beziehungsweise ein paar Worten.
Wie und wo holen Sie sich Ihre Inspiration?
Ich höre mir oft alte Platten an. Ray Charles beispielsweise. Auch Soul Music, Big Band Sounds, Tom Jones und Paolo Conte. Das sind meine Idole. Das ist auch meine Richtung.
Ich bin sehr romantisch, ich liebe Balladen. Diese Melodien umkreisen meine Gedanken, bleiben im Kopf und kommen immer wieder hoch. Sie sind auch oft mit angenehmen Erinnerungen verbunden. Auf diese Weise entstehen Lieder.
Auch der Tanz ist eng mit der Musik verbunden. Tanzen Sie? Vielleicht sogar den Tango Argentino?
Musik ist Gefühl, wie auch der Tanz Gefühl ist. Ich bin kein passionierter Tänzer, aber beherrsche natürlich die sogenannten Standardtänze. Aber tatsächlich tanze ich selten. Ich bin und war auch kein Discogänger. Natürlich geht es mal an die Bar von einem Club, aber mehr um einen Drink mit Freunden zu nehmen. In welcher Beziehung man auch immer zu der Musik steht. Es ist wichtig mit der Musik zu leben.


Wie sieht Ihr Alltag aus? Wie viel Zeit verbringen Sie mit der Musik?
Ich arbeite immer an neuen Songs. Also höre ich Musik immer und überall. Man
findet mich auch fast immer im Studio, entweder in meinem, oder bei meinem Produzenten. Ich mache ständig Musik und versuche perfekt zu sein. Ich übe meine Songs am Klavier und nehme den Gesang auf, um mich zu verbessern.
Ich habe einige Auftritte in Italien vor mir. Die Vorbereitung ist zwar sehr zeitintensiv und anstrengend, aber sobald ich die Bühne betrete ist alles gut und ich bin in meinem Element. Die Musik ist meine Leidenschaft und zum Glück kann ich davon Leben.


Ob man Musik hört oder selbst spielt – sie hat immer auch etwas mit Melancholie, Tiefe und Sinnlichkeit zu tun. Wie wichtig ist es Ihnen gehaltvolle, berührende Musik zu schreiben?
Ich bin Italiener (lacht) und natürlich geht es in vielen meiner Songs um die Liebe und tiefe Gefühle. Meine Songs stimmen aber nicht traurig, sondern geben Sicherheit und Zuversicht. „Es wird alles gut“ – das ist meine Message. Ich habe einige Lebenserfahrung und singe von einer gewissen Coolness, die einem Hilft auch schwierige Situationen durchzustehen.
Haben Sie selbst eine Familie?
Ja, ich habe eine Familie und ich bin auch ein richtiger Familienmensch. Für mich gibt es nichts wichtigeres. Sie unterstütz mich und gibt mir den emotionalen Rückhalt.
Kinder?
Mein Sohn ist sechs Jahre alt. Er spielt im Moment viel Fußball. Ich bin selber kein so ein großer Fußballfan. Aber natürlich ist das italienische Trikot für ihn Ehrensache. Es geht um Teamgeist und lernt natürlich lernt er auch den respektvollen Umgang mit anderen, auch wenn es einmal heiß her geht. Aber natürlich ist er durch meinen Beruf auch von Musik umgeben. Er hat schon ein Klavier in seinem Zimmer stehen. Bald beginnt er mit dem Unterricht.
Aktuelle Projekte von Giovanni Costello:
Konzerte mit der SWR Big Band
Konzerte mit der SWR Big Band & GötzAlsmann
Shows in Italien

Vielen Dank für das schöne Gespräch. Alles Liebe

(Quelle: Marion Graeber / www.stuttgartango.de/Musikspecial)